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Terrorverlag:

“Die toten Söhne der Sonne“ durchstreifen nun also die Erde, im Handgepäck ihre Musik als Waffe, um die Menschen davon zu überzeugen, zu kämpfen, wenn sie sich einander nicht lieben können. Diese Info von der Labelseite klingt ganz schön abgefahren. Und genauso klingt auch die Musik der beiden französischen Produzenten RIPIT und TZII. Einzeln im Breakcore und Noise-Bereich zu Hause, zeigen sie sich als SOLAR SKELETONS von einer ganz anderen Natur.

Und die klingt völlig schräg, aber richtig gut. Ein abgefahrener Mix aus verstörten Jazz-Instrumentierungen, Country- und Blues-Einlagen, Cabaret Voltaire, verpackt in minimalen Low-Tempo-Industrial. Thematisch geht es bei „Necroethyl“ um männlichen Alkoholismus und der Beziehung zum weiblichen Geschlecht. Und vor allem Ersteres hört man schon an der herrlich versoffenen Stimme, die ruhig etwas öfter zum Einsatz kommen dürfte. Komplett machen das Ganze dann noch verzerrte Bass-Gitarren. Bestes Stück der leider nur sechs Kompositionen dürfte „Candy in a Jar“ sein.

Auch bei der optischen Umsetzung zeigen die SOLAR SKELETONS Geschick. Das Debüt-Album erscheint ausschließlich als schweres grau-marmorisiertes Vinyl, und das zu einem (noch) günstigen Preis. Die Platte kann man nur empfehlen, ein Stück experimenteller Musik, das fernab „normaler“ Soundvorstellungen noch Musik geblieben ist.

imBlutfeuer

TERRORVERLAG

 

Gnark:

Die SOLAR SKELETONS sind skelettierte Cowboys, die aus den Tiefen des Weltalls auf die Erde kamen, um der Menschheit den Weg in eine bessere Zukunft zu weisen.

So beschreibt sich das Projekt um die beiden Franzosen TZII und RIPIT zumindest selbst. Bei genauerem hinsehen und vor allem hinhören entpuppt sich dieser etwas abstruse Slogan dann jedoch durchaus als schlüssig, denn ihre ganz eigene Art, Musikstile experimentell zu kombinieren und umzuformen gibt den Skeletons mitunter wirklich etwas außerirdisches, macht es aber zugleich unglaublich schwer ihre Musik zu beschreiben. Country trifft auf Industrial, trifft auf Minimal, trifft auf raue Whiskeytrinkerstimme, trifft auf einsame Mexikaner die bekleidet mit einem riesigen Sombrero im Schatten eines Saloons auf ihrer verstimmten Trompete blasen.

Der Plattenladen "Arlequin" in Brüssel bewirbt die Solar Skeletons als eine Mischung aus frühen Cabaret Voltaire und dreckigem Kneipenblues und trifft damit fast voll ins Schwarze. Leider nur fast.

Die aktuelle Debut 12" "Necroethyl" bietet den Freunden der verspulten Experimentalmusik unter uns zwar das eine oder andere Schmankerl, kann aber leider nicht im Gesamten überzeugen. An manchen Stellen kommt das Dargebotene einfach ein wenig zu "gewollt experimentell" daher. Auch wirken die in manchen Liedern viel zu häufig eingesetzten Drumloops stellenweise wie die Presets eines Kinderkeyboards aus den 80er Jahren. Eigentlich muss das nichts schlechtes sein, hier aber ist es etwas fehl am Platze und zerstört die ansonsten genialen Flächen aus verzerrten E-Gitarren und Synthesizerklängen. Vor allem wünscht man sich des öfteren, die raue, whiskeyschwangere Stimme zu hören.

Pluspunkte kann die Veröffentlichung allerdings wieder durch ihre Präsentation sammeln. Schweres 180g 12" Vinyl in Marmoroptik verziert mit einer roten Sonne ruht in einer stilistisch wunderbar zur Musik passenden Hülle. Skelettierte Cowboys beim trinken. Sowohl Cover als auch Motto der Platte.

Ansgar

GNARK